Archive for April, 2012

Current article

The UC Disability Studies Blog compiles a monthly list of recently published historical articles about the broadly-defined concept of “disability”. This month, the list includes an article by Linda Reeder entitled “Unattached and Unhinged: The Spinster and the Psychiatrist in Liberal Italy, 1860-1922″ (Gender & History, April 2012). Its abstract reads:

This article explores the role nineteenth-century Italian psychiatric sciences played in shaping attitudes towards adult women who never married. Initially in post-unification Italy unmarried women were largely invisible, while the bachelor appeared to threaten the newly formed nation’s fragile political and social stability. In the last decades of the nineteenth century fears about the bachelor faded, replaced by growing concerns about the social dangers posed by the `spinster’. Drawing on writings from psychiatrists, anthropologists, sociologists, on patient records from psychiatric asylums as well as popular literature, this article traces the way psychiatric practice and theories transformed the image of the unmarried single woman.

To access the article on the journal’s website, click here.

For the entire list on the UC Disability Studies blog, click here.

Exhibition: “The Weighty Body – Fat or Thin, Vanity or Insanity”

The Weighty Body - Fat or Thin, Vanity or InsanityFrom April 13 till September 9, 2012 the Boerhaave Museum in Leiden (The Netherlands) presents the exhibition ‘The weighty body’ which has been shown last year in Ghent (Belgium). It presents the fascinating ways in which humans have been dealing with their own bodily appearance. The central theme is a history of fasting. Why do people abstain from food? Are their motives personal or aesthetic, religious or financial? When do we speak of a deranged relation to one’s own body? The exhibition is centered around four major themes: (1) the elevated body or fasting and religion; (2) the body in politics and ideology; (3) body aesthetics and eating disorders; (4) the future of the body and medical technology. An accompanying catalogue (in three languages: Dutch, French & English) is published. More information here.

Syllabus: Lunbeck, “The Freudian Century”

This is another installment in our series on university and college courses dealing with the history of madness, mental illness, and psychiatry.

Elizabeth Lunbeck is co-editor of H-Madness and  a historian of psychiatry and psychoanalysis. She is the author of The Psychiatric Persuasion: Knowledge, Gender, and Power in Modern America (Princeton 1994,  1996), and, with the psychoanalyst Bennett Simon, of Family  Romance, Family Secrets (Yale 2003).  She has co-edited several additional volumes, most recently Histories of Scientific Observation, with Lorraine Daston (Chicago, 2010).  At present, she is completing The Americanization of Narcissism.  Grants and fellowships from  the John Simon Guggenheim Memorial Foundation, the National Institutes of  Health, the National Endowment for the Humanities, and the Charles Warren Center, among others, have funded her research and writing. Lunbeck is Nelson Tyrone, Jr Professor of History, and Professor of Psychiatry, at Vanderbilt.

CfP Wahnsinn und Methode: Notieren, Ordnen, Schreiben in der Psychiatrie

Workshop der DFG-FG Kulturen des Wahnsinns. Schwellenphänomene der urbanen Moderne (1870-1930)

Der Workshop soll der Diskussion eines methodischen Aspekts der Psychiatrie gewidmet sein, der seit dem 19. Jahrhundert maßgeblich die Arbeit in Klinik und Forschung geprägt hat. Er schlägt vor, die Methoden der Psychiatrie anhand der Verfahren des Notierens, Ordnens und Schreibens in den Blick zu nehmen. Denn Notieren, Ordnen und Schreiben spielen für die Beobachtung der Symptome, bei der Untersuchung des Patienten oder für die Klassifikation der Krankheiten eine zentrale Rolle: Sie sind Kern einer psychiatrischen Methodenlehre, konstituieren psychiatrische Erkenntnisobjekte und strukturieren nicht zuletzt auch den Alltag in der Klinik.

Seit dem 19. Jahrhundert setzte sich in psychiatrischen Kliniken die patientenbezogene Dokumentation durch. Das Aufschreibeverfahren der Ärzte wurde aus der Registratur ausgegliedert, die hauptsächlich zu Verwaltungszwecken diente. Die neue Dokumentation in Form einer Krankenakte besaß die offene Struktur eines Hefts, einer Blattsammlung oder eines Albums. Zwar forderte die Verwaltung weiterhin eine Protokollierung bestimmter Daten, aber sie diktierte nicht mehr Art und Umfang des Eintrags. Vielmehr konnten zwischen den Deckeln einer Akte Schriftstücke und Objekte verschiedener Art versammelt werden. Ungeachtet der Versuche zur Normierung wurden die Akten zu heterogenen Dossiers, die „Notate, Protokolle, Äußerungen und Materialien allein aufgrund ihres Bezugs zum Patienten“ (Volker Hess) vereinigten.

Die Psychiatrie entwickelte aus dem Aufschreibeverfahren der Ärzte im Zuge ihrer Verwissenschaftlichung und Ausdifferenzierung allmählich ein komplexes eigenständiges Aufschreibesystem, das neben den Krankenakten auch Stations-, Medikations-, Labor-, Diagnose-, Gutachtenbücher der Kliniken umfasste und sich so bis weit in die Infrastruktur der Klinik, die Publikationskultur der Disziplin, aber auch den juristischen und gesellschaftlichen Umgang mit psychischen Störungen hinein verzweigte. Die überlieferten Elemente dieses Aufschreibesystems bieten die Chance für einen neuen Blick auf die Prozessualität psychiatrischer Klinik und Forschung. Anhand der Verfahren des Notierens, Ordnens und Schreibens kann nicht nur die Entwicklung psychiatrischer Aufzeichnungspraktiken und Notationsweisen nachgezeichnet, sondern auch verfolgt werden, wie die psychiatrischen Methoden zugleich ein Wissen formieren, eine Machtkonstellation errichten und eine Ontologie des Wahnsinns herstellen. Nicht zuletzt dokumentieren Notieren, Ordnen und Schreiben eine Eigenlogik des Beobachtens, Sammelns, Protokollierens, Begutachtens und Interpretierens. So wirken etwa Schreibszenen auf die Äußerungen der Patienten zurück und reizen Phänomene an, die wiederum aufgezeichnet werden. Die psychiatrischen Methoden lösen insgesamt eine Dynamik aus, welche die Nosologien wieder in Frage stellt, gefundene Differenzierungen permanent über sich hinaus treibt und Klinik und Forschung zu einem unabschließbaren Projekt geraten lässt.

Der Workshop soll psychiatrie- und medizingeschichtliche mit medien- und kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten verknüpfen. Mögliche Fragen und Themen des Workshops betreffen unter anderem:

- Genese und Eigenart des psychiatrischen Aufschreibesystems. Wie ist das moderne psychiatrische Aufschreibesystem entstanden? Und wie wurde es organisiert – etwa im Unterschied zum Aufschreibesystem des Rechts oder der Verwaltung? Resultiert seine Eigenart aus einer spezifischen Organisationsweise? Kann die Eigenart an den psychiatrischen Archiven, den Techniken des Notierens und Protokollierens, der Aktenführungen oder der Auswertung der Krankenakten festgemacht werden und welche Ausdifferenzierungen des psychiatrischen Aufzeichnungssystems haben seine Eigenart weiter befestigt?

- Methode des Schreibens. Wie hat das Aufschreibesystem die „Methode der psychiatrischen Beobachtung“ (Robert Sommer) angeleitet, geprägt und transformiert? Wie wurden subjektive Krankheitsschilderungen aus der Sicht der Patienten und fachlicher Expertise unterschieden? Wie, wann und wozu wurden die Beobachtungen ausgewertet und transkribiert? Was wurde dokumentiert, was hingegen ausgeschlossen? Woran orientierte sich die Dokumentation? Wie wurden Anamnese, Verlauf und Ausgang dargestellt? Welche Umstände, Vorfälle oder Ereignisse forderten und fanden Eingang in die Akte?

- Epistemologische Effekte. Wie treibt das Aufschreibesystem die Professionalisierung und Ausdifferenzierung der Psychiatrie an? Wie vermittelt das Aufschreibesystem zwischen der materiellen und der begrifflichen Seite der Psychiatrie? Wie steuert das Aufschreibesystem die Logik einer kasuistisch basierten Wissensproduktion? Welche methodischen Operationen sind welchen epistemologischen und persuasiven Effekten vorgängig?

- Störfälle und Paradoxien des Aufschreibesystems. Welche Rückwirkungen auf die Psychiatrie erzeugen das Notieren, Ordnen und Schreiben? Wie werden Rolle und Funktionen des Aufschreibesystems in der Psychiatrie beobachtet? Welche Wege führen in der Psychiatrie zu einer Beobachtung zweiter Ordnung und Beschreibung der Paradoxien und Störfälle, die durch das Aufschreibesystem produziert werden?

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HooPLa on the history of psychiatry

Image from Christopher Payne's book Asylum

I recently had the opportunity to lead a discussion on the topic of the mental asylum era in the nineteenth century with my supervisor, Christopher Green, and fellow PhD students, Jacy Young and Jeremy Burman, as part of the inaugural episode of a new podcast series called “History of Psychology Laboratory” – or HooPLa! for short. The premise of the series is to discuss a topic from psychology’s past and intersperse our conversation with excerpts from oral interviews conducted with leading researchers in the field. Our first episode is based on interviews that Jacy Young and I carried out this past summer with several noted historians of the institutional era: Andrew Scull, David Wright, and Elizabeth Lunbeck. To these we were able to include an interview Christopher Green had done with historian Gerald Grob. The HooPLa! podcast episode focuses on providing an outline of the mental asylum era by looking at questions such as: What initiated the spread of asylums in the nineteenth century? What was the goal of these institutions? What were the common treatment methods? And What happened to the asylum? Our goal was to present an open discussion of the asylum era geared at undergraduate students or those new to the topic. The new series is an extension of an earlier podcast series produced by Green: “This Week in the History of Psychology” – or TWITHOP. The original series features one-on-one interviews with historians of psychology on select topics from the discipline’s past. These included interviews with Eric Engstrom on Emil Kraepelin’s taxonomy of mental illness; Gerald Grob on the 1963 Community Mental Centers Act; and Raymond Fancher on the topic of Sigmund Freud’s only trip to the United States in 1909; among many others. These episodes – with more to come – are available at the “This Week in the History of Psychology” iTunes page. They are also available at the URL:  http://www.yorku.ca/christo/podcasts/

Jennifer Bazar

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