“Don-Juan Syndrome” or the History of Satyriasis
Co-editor of h-madness, Greg Eghigian, has just posted a piece on the history of notions of male hypersexuality for Psychiatric Times.
Archive for June, 2012
Co-editor of h-madness, Greg Eghigian, has just posted a piece on the history of notions of male hypersexuality for Psychiatric Times.
The July 2012 issue of Journal of the History of Medicine and Allied Sciences is now online and contains the following articles that may interest the readers of h-madness:
Edgar Jones, War Neuroses and Arthur Hurst: A Pioneering Medical Film about the Treatment of Psychiatric Battle Casualties
From 1917 to 1918, Major Arthur Hurst filmed shell-shocked patients home from the war in France. Funded by the Medical Research Committee, and using Pathé cameramen, he recorded soldiers who suffered from intractable movement disorders as they underwent treatment at the Royal Victoria Hospital in Netley and undertook programs of occupational therapy at Seale Hayne in Devon. As one of the earliest UK medical films, Hurst’s efforts may have drawn inspiration from the official documentary of the Battle of the Somme and films made in 1916 by French Army neurologists. Although initially motivated to make use of a novel medium to illustrate lectures, Hurst was alert to the wider appeal of the motion picture and saw an opportunity to position himself in the postwar medical hierarchy. Some “before treatment” shots were reenacted for the camera. Hurst, like some other shell shock doctors, openly used deception as a therapeutic measure. On the basis that the ends justified the means, they defended this procedure as ethical. Clinicians also took advantage of changes in military regulations to address functional symptoms. Claims made of “cures” in the film and associated publications by Hurst were challenged by other doctors treating shell shock. The absence of follow-up data and evidence from war pension files suggested that Hurst may have overstated the effectiveness of his methods. Nevertheless, the message conveyed in the film that chronic cases could be treated in a single session had a powerful resonance for ambitious or charismatic doctors and was revived in World War II.
Laura Hirshbein, Scientific Research and Corporate Influence: Smoking, Mental Illness, and the Tobacco Industry
Mentally ill individuals have always smoked at high rates and continue to do so, despite public health efforts to encourage smoking cessation. In the last half century, the tobacco industry became interested in this connection, and conducted and supported psychiatric and basic science research on the mental health implications of smoking, long before most mental health professionals outside the industry investigated this issue. Initially, representatives of tobacco industry research organizations supported genetics and psychosomatic research to try to disprove findings that smoking causes lung cancer. Tobacco industry research leaders engaged with investigators because of shared priorities and interests in the brain effects of nicotine. By the 1980s, collaborative funding programs and individual company research and development teams engaged in intramural and extramural basic science studies on the neuropharmacology of nicotine. When mental health researchers outside the industry became interested in the issue of the mentally ill and smoking in the mid-1990s, they increasingly explained it in terms of a disease of nicotine addiction. Both the idea that smoking/nicotine does something positive for the mentally ill and the conclusion that it is the result of nicotine dependence have the potential to support corporate agendas (tobacco or pharmaceutical).
Veranstalter: DFG-Forschergruppe „Kulturen des Wahnsinns“; Konzeption: Alexander Friedland, Rainer Herrn, Sophie Ledebur
7.-8. Juni 2013, Berlin
Deadline: 30. September 2012
In vielen medizinischen Disziplinen bemühte man sich um 1900 in Forschung und Lehre die pathologische Symptomatik durch immer ausgefeiltere Techniken zu veranschaulichen. Ungleich schwieriger gestaltete sich dies bei psychischen, nur schwer sichtbar zu machenden Phänomenen. Die Psychiatrie und ihre benachbarten Disziplinen wie experimentelle Psychologie, Neurologie oder Psychoanalyse sahen sich unter dem besonderen Druck ihren Erkenntnisgegenstand zu objektivieren. Robert Sommers Plädoyer (1899), die beschreibende Beobachtung mittels „optischer Methoden“ zu ergänzen, ist Ausdruck dieser Bemühungen des Festhaltens von flüchtigen Auffälligkeiten. Die Bandbreite der Untersuchungs-, Registrier- und Präsentationstechniken reichte von der Patientendemonstration über die Photochronographie und medizinische Kinematographie bis hin hoch spezialisierten Untersuchungsapparaturen und grafischen Darstellungsweisen.
Ziel des Workshops ist es, dem in Begriffen wie „Krankheitsbildern“ oder „Gefühlstönen“ bereits anklingenden, nämlich stets prekären Verhältnis von Sehen, Hören und Wissen nachzugehen. Wie wurden im Zeitalter neuer technischer Möglichkeiten Beobachtungen evident gemacht und in Krankheitszeichen transformiert? Welche Techniken und Praktiken wurden für diese Übersetzungsarbeit herangezogen und aus welchen kulturellen Zusammenhängen kommen sie? Brachte dieses Streben nach besserer Sicht-, Darstell- und Reproduzierbarkeit unbeabsichtigte Interaktionen und Effekte hervor? Gab es Rückwirkungen der neuen Verfahren auf die jeweiligen Disziplinen? Oder aber implizierten die verschiedenen Formen kompensierender Beschreibung gar ein Wissen über diese Medien selbst? Schließlich soll das Wechselverhältnis dieser neuen klinischen Verfahren zu populären Darstellungen untersucht werden: Wie beeinflussten medizinische Bilder ein weiteres, über die engen Fachgrenzen hinausreichendes Verständnis von psychischen Phänomenen und wie wirkten umgekehrt populäre Bildpraktiken auf medizinische Darstellungsweisen?
Rezente Forschungen zu Praktiken des Aufschreibens und Techniken der Visualisierung betonen die Bedeutung der materiellen Produktionsbedingungen, die Prozessualität der Etablierung neuer Verfahren sowie die Wechselwirkungen mit den sich verändernden Wissensordnungen. Anknüpfend an diese Ergebnisse soll im Rahmen des interdisziplinären Workshops der Blick konkret auf den Übergang vom Beschreiben zum Zeigen von Krankheit und die dabei augenfällig werdende Inszenierung und Performativität der Zeichen gerichtet werden.
Grundlegende Fragestellungen wären:
- Wie erfolgte die Einführung und Etablierung der neuen Beobachtungs- und Aufzeichnungsverfahren? Welche Formen der Kooperation von Wissenschaft und Technik gab es? Wie erlangten die Kliniker das technische Know-how? Beispielsweise wurden in bzw. nahe den Kliniken der Charité bereits Anfang des 20. Jahrhunderts Foto- und später auch Filmstudios eingerichtet. Dies lässt im Besonderen nach der Bedeutung etwaiger Netzwerke von Medizinern, Produzenten der kinematographischen Aufnahmen und technischen Firmen fragen.
- Wie wurden Darstellbarkeit und Aussagekraft der neuen Medien diskutiert? So monierte Theodor Ziehen, dass die Fotografie das psychiatrische Schlüsselsymptom des Affekts nicht adäquat abbilde, da dieser durch eine „rasche Folge“ verschiedener Gesichtsausdrücke charakterisiert wäre. Die Schwierigkeiten der Darstellung von Nicht-Sichtbaren äußerten sich auch in der Klage Paul Näckes, dass das Fach zur „Kurven-Psychiatrie“ verkommen sei. Wo lassen sich Grenzen und Widerständigkeiten der Visualisierungstechniken erkennen und was sind die Hintergründe?
- Wie wurden Gefühle und Affekte, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen sowohl fachintern Visualisierungstechniken für bestimmte psychische Phänomene angewandt? Die fotografische und filmische Darstellung von Körperhaltungen und Bewegungsabläufen war durchaus üblich. Traf dies in gleicher Weise für wesentlich flüchtigere Phänomene zu? Oder finden sich diese eher in populären Filmen wie beispielsweise in Robert Reinerts „Nerven“ (1919) mit Mitteln der Fiktion umgesetzt? als auch in populären Medien abgebildet?
- Welche Praktiken der Inszenierung lassen sich bei der Sichtbarmachung von psychischen Phänomenen ausmachen? Wie in Film und Fotografie sind Techniken des Hervorbringens von psychischen Phänomenen auch ein wesentlicher Teil der klinischen Demonstrationen. Bei diesen wurden Patienten zum Zweck der Lehre oder aber vor Fachgremien vorgeführt, um auf anschauliche Weise „typische“ Symptome präsentieren oder aber Differentialdiagnosen herausarbeiten zu können. Die unzuverlässige Reproduzierbarkeit der vor Publikum zu zeigenden Krankheitszeichen stelle jedoch ein Schlüsselproblem dar und ließ große Hoffnungen in bildgebende Techniken setzen. Weshalb aber lösten die neuen Verfahren die traditionellen klinischen Demonstrationen weder in der Lehre noch in der wissenschaftlichen Kommunikation ab?
Folgende Themenvorschläge umreißen weitergehend die Ausrichtung des Workshops:
- Ausgehend von der Analyse der Vielzahl der Methoden der Visualisierung und des Hervorhebens „typischer“ Zeichen stellt sich die Frage, inwiefern diese erst die Symptome generierten, die sie lediglich sichtbar machen wollten. Charcots mediale Inszenierung der Hysterie lässt analoge Effekte bei der Definition anderer Krankheitsbilder vermuten. Auf einer technischen Ebene der Konstruktion ist zu diskutieren, was es bedeutet, wenn beispielsweise Emil Kraepelin Filmsequenzen unterschiedlicher Herkunft zusammenfügte, um ein geschlossenes Krankheitsbild darzustellen.
- Die Frage nach der Inszenierung und ihrer Wirkungen betrifft nicht nur die zeitlich präzise Hervorbringung der Phänomene für die Bildaufnahme und das Setting im Studio. Auch ist die spätere Verwendung der Bilder zu diskutieren, wenn diese gleich psychologischen Testverfahren den Kranken zu einem späteren Zeitpunkt wieder vorgeführt wurden.
- Welche disziplinären Veränderungen gingen mit den modernen Repräsentationsverfahren in der Psychiatrie einher? Beeinflussten die foto- oder kinematographisch hergestellten „Krankheitsbilder“ ihrerseits das Narrativ der Psychiatrie? Umgekehrt sind mit der Botschaft und ihrem Medium aber auch die potentiellen Empfänger und ihre für die Wissensgenerierung ebenfalls konstitutive Rolle als Zuhörende oder -schauende und die postulierte epistemologische Dominanz des „Krankheitsbildes“ im Allgemeinen mitzudenken. Somit soll auch die Symbolisierung und Popularisierung der auf neuartige Weise erlangten Wissensinhalte in den Blick genommen werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach einem etwaigen Einfluss der Darstellungen von psychischer Krankheit in Literatur, Kino oder Theater auf wissenschaftliche Visualisierungsstrategien.
- Nicht zuletzt ist nach den performativen Effekten der Visualisierungsverfahren auf die Patienten zu suchen. Inwieweit generierten Fotografie, kinematografische Aufnahmen, klinische Demonstrationen und Untersuchungsmethoden beispielsweise Affirmationen oder Zurückweisungen ärztlicher Deutungen?
Erwünscht sind Beiträge aus den Kultur-, Literatur-, Medien- und Theaterwissenschaften sowie der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte. Abstracts mit Themenvorschlägen im Umfang von 1 bis max. 2 Seiten richten Sie bitte mit einem kurzen CV bis zum 30. September an sophie.ledebur@charite.de. Precirculated papers im Umfang von 5 bis 10 Seiten sollen bis zum 1. Mai 2013 vorliegen. Der Workshop findet im Rahmen des DFG- Projektes Kulturen des Wahnsinns am 7. und 8. Juni 2013 in Berlin statt. Reise- und Übernachtungskosten können (im üblichen Rahmen) von den Veranstaltern übernommen werden.

Ballenger choses this artwork illustrating Teddy Wayne’s send-up in last month’s New Yorker of the cultural practices of “reposting” to illustrate that social media appears more as obligations and burdens than as opportunities.
Jesse Ballenger, who is the author of Self, senility, and Alzheimer’s disease in modern America : a history and has written a post on DSM-V and Aging for h-madness, starts a blog entitled To Conquer Confusion. A Historian’s Perspective on the Science and Experience of Alzheimer’s Disease and Dementia. In his first post, Ballenger establishes a stimulating link between Alzheimer and the proliferation of social media:
Alzheimer’s disease, it seems, is one of the emblematic disorders of a post-modern culture. And conversely, blogging and social media seems to embody the fragility and fragmentation of postmodern selfhood that has come to make Alzheimer’s so frightening.
I am quite curious to read the next posts.