Psychiatry and Prison – The question of mental health care for prisoners

L’ouverture à Lyon en 2010 de la première unité d’hospitalisation spécialement aménagée (UHSA) de France s’accompagne d’une couverture médiatique importante. Le dispositif national semble nouveau et pose question : ce lieu de soins psychiatriques pour personnes détenues relève-t-il de l’hôpital ou de la prison ? Comment rester médecin et soignant au service de l’individu au sein d’un dispositif contraignant qui va dans le sens d’une régulation de l’ordre social ? Pour le moins se dessine un conflit des normes, produisant un sujet hybride, mi-patient mi-détenu, et un reste probable : sa souffrance et la parole de sa souffrance.

Pour répondre à ces questions, il faudra certainement interroger le projet UHSA lui-même, dans son actualité mais aussi par des mises en perspective historiques et philosophiques. Les réponses que l’on peut apporter à ces questions relayées par les médias sont si complexes qu’il y a tout intérêt à les donner à travers une rencontre interdisciplinaire et un croisement de regards, dans une approche qui convoque à la fois les acteurs directement impliqués, des équipes de recherche universitaire, des créateurs artistiques et des interprètes, pour un dialogue à multiples facettes.

Il s’agit moins au terme de ce dialogue de juger un fait de société ou de lui proposer une réponse unique que de juxtaposer et de confronter des points de vue pour mieux faire percevoir l’implicite des enjeux et des discours relatifs à la création de l’UHSA.

Journées d’étude organisées par la Bibliothèque interuniversitaire de recherche en lettres et sciences humaines de Lyon (BIU Lsh)

  • en partenariat avec le laboratoire Triangle, CNRS, UMR 5206, rattaché à l’École normale supérieure de Lyon
  • avec la collaboration du pôle de Santé mentale des détenus et de psychiatrie légaledu Centre Hospitalier Le Vinatier (Lyon-Bron)
  • et du Barreau de Lyon
  • et avec la participation de l’ANR Sciencepeine

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Festival de l’histoire de l’art (1ère édition) consacré à la folie

Organisé par le ministère de la Culture et de la Communication, l’INHA et le château de Fontainebleau

Afin de réunir des spécialistes de différents domaines et d’éveiller la curiosité du public le plus large, un thème sera choisi chaque année, fil rouge du Festival de l’histoire de l’art. Cette première édition sera consacrée à la Folie. Le festival marquera le 500e anniversaire de la parution de L’Éloge de la folie d’Érasme, parallèlement aux célébrations organisées par l’UNESCO, ainsi que le 50e anniversaire de la parution de L’Histoire de la folie à l’âge classique de Michel Foucault. Au cœur du mythe occidental de la création, le thème de la folie sera exploré selon trois directions : le créateur fou (revendiqué ou jugé comme tel) ; l’œuvre insensée, hors normes ; l’iconographie de la folie et le regard de l’artiste sur la folie du monde. Outre les conférences, débats et tables rondes, des ateliers originaux, intitulés « L’œuvre d’art au crible des regards », présenteront une même œuvre interprétée par trois regards différents, témoignant de la diversité des approches et des différentes méthodes et techniques d’analyse des œuvres d’art.

For more information, click here.

Die Psychiatrie im 20. Jahrhundert – Kontinuitäten und Brüche ihrer Entwicklung

Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin, Medizinische Hochschule Hannover, Hannover

18.01.2011-22.11.2011, Leibnizhaus Hannover, Holzmarkt 5, 30159 Hannover

 

Psychische Probleme und psychiatrische Erkrankungen wurden lange Zeit nicht als Krankheit erkannt. Betroffenen Menschen wurde und wird oft mit Unverständnis begegnet. Wie die Psychiatrie als Wissenschaft, aber auch die Öffentlichkeit mit diesen “vermeintlichen Abweichungen von der Normalität” seit dem Kaiserreich bis nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten umging, soll in dieser Vorlesungsreihe anhand neuer Forschungsergebnisse diskutiert werden.

Neben den Untersuchungen zum nationalsozialistischen Krankenmord, die inzwischen detaillierte Erkenntnisse über die Entstehung, die Struktur und den Verlauf der Ermordung psychisch Kranker und geistig Behinderter erbracht haben, setzen sich Wissenschaftler zunehmend mit der Entwicklung der Psychiatrie, ihren Institutionen und ihren Praktiken von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Nachkriegszeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts auseinander.

Als Referenten haben wir Medizinhistoriker aus Deutschland und der Schweiz gewinnen können, die neueste Forschungsergebnisse vorstellen.

Analysiert wird der Alltag von Psychiatriebetroffenen im Spiegel der Entwicklung der Anstalten wie auch aus der Perspektive der Betroffenen und ihrer Familien. Schon seit einhundert Jahren üben Menschen Kritik an der Psychiatrie und fordern Reformen. Ein wichtiger Gegenstand der Forschung ist ebenso, wie sich der Blick der Öffentlichkeit auf diese Patienten und die Rolle der Psychiatrie in der Gesellschaft verändert hat und noch verändert.

Die Veranstaltung richtet sich an Fachkollegen, Psychologen und Ärzte sowie an psychiatrie- bzw. medizinhistorisch Interessierte.

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18.01.2011

Prof. Dr. Heiner Fangerau (Ulm)

Zwischen Kur und Irrenanstalt: Die Volksnervenheilstättenbewegung vom Kaiserreich bis nach dem Ersten Weltkrieg

 

01.02.2011

Dr. Rebecca Schwoch (Hamburg)

“Mein jahrelanger Kampf gegen den Psychiater Größenwahn”. Psychiatriekritik und Öffentlichkeit um 1900

 

17.02.2011

Prof. Dr. Doris Kaufmann (Bremen)

Psychiatrie im Alltag: Neurasthenie und “sexuelle” Frage im Kaiserreich

 

01.03.2011

Prof. Dr. Volker Roelcke (Gießen)

Die Etablierung der psychiatrischen Genetik: Verwissenschaftlichung der Psychiatrie – Biologisierung des Psychischen

 

15.03.2011

Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl (Bielefeld)

Psychiatrie als gesellschaftliche Leitwissenschaft? Die Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater in der Zeit des Nationalsozialismus

 

29.03.2011

Dr. Maike Rotzoll (Heidelberg)

Gefährdetes Leben. AnstaltspatientInnen und ihre Geschichte bis zur Ermordung in der national-sozialistischen “Euthanasie”-Aktion “T 4″

 

05.04.2011

Dr. Thomas Röske (Heidelberg)

Malereien im Verwahrhaus. Die Kunst Julius Klingbiels (1904-1965)

 

14.04.2011

Dr. Georg Lilienthal (Hadamar)

“Die Erbschaft, die ich antrat, war sehr unerfreulich.” Hadamar nach dem Krankenmord

 

Dr. Alfred Fleßner (Oldenburg)

Wahr-Nehmungen. Öffentliche Deutungskultur und die Aufarbeitung der NS-“Euthanasie” in den Familien der Opfer

 

05.05.2011

Dr. Christine Wolters (Hannover)

“Gesellschaftsunwürdige Volksgenossen” Psychiatrisierung von Tuberkulosekranken im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit

 

17.05.2011

PD Dr. Svenja Goltermann (Freiburg/Breisgau)

Gewalt und Trauma. Zur Verwandlung psychiatrischen Wissens in Ost- und Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

 

24.05.2011

Dr. Sigrid Stöckel (Hannover)

“… dass der Kranke sich auch selber heilen muss.” Die Anfänge der Psychosomatik im Nachkriegsdeutschland

 

21.06.2011

Dr. Marietta Meier (Zürich)

“Soziale Heilung”. Psychochirurgie nach dem Zweiten Weltkrieg

 

05.07.2011

Prof. Dr. Brigitte Lohff (Hannover)

Von der Normalität des Unglücklichseins. Das Menschenbild der Psychologie zwischen Behaviorismus und Psychotherapie in den 1960 Jahren

 

11.10.2011

Prof. Dr. Franz-Werner Kersting (Münster)

“Visual History”. Die Anstaltspsychiatrie der 1950er und 60er Jahre im Spiegel unbekannter Filmdokumente

 

26.10.2011

Prof. Dr. Wielant Machleidt (Hannover)

Weltpsychiatrischer Universalismus versus kulturdistinkte Psychiatrie. Ethnopsychiatrische Diskurse in den 1970er und 80er Jahren

 

08.11.2011

PD Dr. Cornelia Brink (Freiburg/Breisgau)

Der Wahnsinn als Gemeinplatz. Öffentliche Kontroversen um die Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland um 1970

 

22.11.2011

Dipl.-Pol. Kathrin Franke (Leipzig)

Transformation der Psychiatrie in Ostdeutschland aus Akteursperspektive

 

Nachdenken über Josef F. – Annäherungen an Werk und Leben Josef Forsters in der Heidelberger Sammlung Prinzhorn

Ein Ausstellungsbericht von Maike Rotzoll

Josef Forster am Ziel: Zu sich selbst gekommen, zum Edelmenschentum gelangt, schwerelos kann er „mit großer Geschwindigkeit durch die Luft gehen“. Nicht ohne Grund steht das kleine Bild mit dem „Mann ohne Schwerkraft“ im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung in der Sammlung Prinzhorn, Gravitationszentrum für weitere Werke Josef Forsters (1878-1949) und anderer Patienten-Künstler und, deutlich weniger, -Künstlerinnen, die in der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in Regensburg gelebt haben.

Forsters „Stelzenläufer“ wurde vor fast zehn Jahren, mit der Gründung des Museums der Sammlung Prinzhorn, zum Logo und Symbol der Sammlung. Kann doch sein Höhenflug als Allegorie auf Künstlerdasein und Außenseitertum gelten – schwebend zwischen den Welten von Himmel und Erde, von Phantasie und Realität, oder auch von Kunst und Wahn: Das liegt im Auge des Betrachters.

Doch Forster schwebte nicht nur – denn um ein Selbstbildnis handelt es sich ganz sicher: Er verlieh sich Gewicht, seiner Person und der Aussage seiner Philosophie. Der leicht geschwungene Horizont seines Bildes wird zur Kulisse, zur Bühne, der Himmel zur Leinwand, vor der Forster agiert und auf der erklärende Schriftzüge erscheinen: So muss man sich beschweren, wenn der Körper kein Gewicht mehr hat. Der Geist hat sich befreit und doch den Realitätsbezug nicht verloren, er will nicht ins Unbestimmte entschweben, sondern die Welt mit seiner Aussage konfrontieren.

Welche Botschaften jedoch enthalten Josef Forsters eigenwillige Werke? Eine einzige Perspektive allein reicht keinesfalls aus, um die Bilder versuchsweise zu entschlüsseln, wenn auch nur wenige überliefert sind. Daher setzte sich im Jahr 2004 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe das Ziel, Forsters Werk von verschiedenen Seiten aus zu kontextualisieren, Inhalte zu erschließen und in einer Ausstellung sichtbar zu machen. Ihre Mitglieder vertraten die Fachgebiete Philosophie, Kunstgeschichte und Kunsttherapie, Psychiatrie, Psychoanalyse und Medizingeschichte. Sie gingen miteinander vernetzt zu Werke, warfen einzeln und mit vereinten Kräften die Netze aus, die Erkenntnisgewinn versprachen. Das Resultat kann nun besichtigt werden: Die Ausstellung „Durch die Luft gehen … Josef Forster, die Anstalt & die Kunst“ ist bis zum 3. April 2011 in Museum der Sammlung Prinzhorn Heidelberg zu sehen. Der Ausstellungskatalog dokumentiert und vertieft neben Forsters Werken und seiner Regensburger Krankengeschichte die sich sowohl ergänzenden als auch einander widerstreitenden Interpretationsansätze der Arbeitsgruppenmitglieder.

BesucherInnen betreten Forsters Welt sozusagen durch die Anstaltspforte. Ein Kabinett auf dem Weg zum Hauptausstellungsraum ist der Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in Regensburg gewidmet und einer ihrer Besonderheiten: Kunstsinnige Psychiater förderten hier die ihnen begabt erscheinenden Patienten. „Hoch die Arbeitstherapie: Sie erzieht mich zum Genie“ heißt es nicht umsonst in einem der im Eingangskabinett ausgestellten Werke, gezeichnet von Franz Xaver Fuchs im Jahr 1931.

1906 war der Psychiater Adolf Vierzigmann in die 1852 gegründete Regensburger Anstalt eingetreten, die als schlecht und recht an die Anforderungen der Psychiatrie adaptiertes Benediktinerkloster viele reizvolle Blickwinkel, aber auch viel Reformbedarf bot. Er zeichnete selbst, wie in der Ausstellung dokumentiert, und ermöglichte dies auch einigen seiner Patienten. Unterstützt von dem reformorientierten Direktor Karl Eisen sammelte Vierzigmann deren Werke, und so wird er es auch gewesen sein, der im Jahr 1921 wohl auf Hans Prinzhorns Anfrage Werke von Forster und 12 weiteren Regensburger Patienten nach Heidelberg schickte. Eigensinnige, „verrückte“ Bilder schickte er, konventionellere behielt er – dies entsprach wahrscheinlich dem eigenen Geschmack ebenso wie dem Anliegen des anfragenden Kunsthistorikers und Psychiaters, Gestalters der Heidelberger Sammlung.

Schlafsäle, Wachsäle, Speisesäle, lange Flure, Werkstätten, Höfe, Mauern, Zäune, Blick auf die Anstaltskirche – dies also war die Welt, über die Forster mit großer Geschwindigkeit hinweggehen wollte. Dabei hätte er es schlechter treffen können: 1916 war er in die Anstalt aufgenommen worden, nachdem ein Jahr zuvor die Erscheinung der Sonnenjungfrau sein Leben für immer verändert hatte. Im selben Jahr nahm Direktor Eisen seinen Dienst dort auf, aus dem er sich etwa zwei Jahrzehnte später während und wegen der nationalsozialistischen Herrschaft in den vorzeitigen Ruhestand zurückziehen sollte. Forster profitierte von der Reformpsychiatrie der Weimarer Zeit in ihrer spezifischen Regensburger Ausprägung. Er arbeitete in einem eigenen Atelier, sang dort auch Opernarien und konnte mit wenn auch nur vergleichsweise großer Freiheit seine eigenen Ziele verfolgen.

Freiheit, Bewegung, Leichtigkeit und Geschwindigkeit, diese Wünsche und Ziele Forsters verkörpert ein von ihm konstruiertes Fahrrad, das als Nachbau den Mittelpunkt des großen Ausstellungsraumes bildet. Es war zu Zeiten seiner erstmaligen Konstruktion ein Modell für die fast selbsttätige Fortbewegung ohne großen Kraftaufwand, geeignet für den haushohen Nachbau und für die Fahrt über „Land, Meer, Wüsten und Eisfelder“. Die leichte, biegsame Bauweise des Gefährts stammt aus dem Bereich des (Un)möglichkeitssinns, aus dem weit zurückreichenden Traum vom Perpetuum mobile, und doch sind Transportmöglichkeiten, die uns scheinbar mühelos über alle Erscheinungsformen der Erdoberfläche tragen, längst selbstverständlicher Teil unseres Wirklichkeitssinnes geworden.

Nun wird der „Mann ohne Schwerkraft“ jenseits des zentralen, raumgreifenden und transparenten Fahrrads sichtbar. Von den seitlichen Wänden blicken Forsters Selbstbildnisse ebenso wie die von ihm Portraitierten, Mitpatienten und „Med. Dr. Vierzigmann“ als Zuschauer auf die Szenerie. Nur einer der Dargestellten, ein älterer Mann, hält die Augen geschlossen. Von den Rängen der umlaufenden Galerie im Ausstellungsraum der Sammlung Prinzhorn, von oben, wo aktuell Werke von Forsters Mitpatienten seine Werke auf ihre eigene Weise kontextualisieren, kann das Ausstellungspublikum den Blick auf Fahrrad, Portraits und Gemälde durch eine weitere Perspektive ergänzen. Doch hat Forsters Theorie vom Edelmenschen damals seine Mitpatienten erreicht, konnten sie mit den heutigen Besuchern den Blick wenden von dem Fahrrad auf einen Kernbereich der Botschaft des einstigen Tapezierers und Dekorationsmalers, dargestellt in der „Sonnenjungfrau“ und dem „Blauen Wunder der Natur“?

Denn Voraussetzung für die fast schwerelose Bewegung war für Forster das „Edelmenschentum“ – und offenbar spielte die madonnenähnliche, strahlenumkränzte Vision der Sonnenjungfrau in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Gleich dreifach ist sie in der Ausstellung repräsentiert, gegenüber dem „Stelzenläufer“. Einmal erscheint sie allein, im „Blauen Wunder der Natur“ erleuchtet sie Forster und auf der fotografischen Abbildung eines verschollenen Werkes teilt sie als Göttin das irdische Jammertal von der Sphäre der Erwählten: Unter den Verklärten und Edelmenschen befindet sich auch Forster.

Hatte die Sonnenjungfrau Forster also den Weg gewiesen zur Sublimierung seiner selbst? Denn keineswegs war es mit einer einzigen verklärenden Vision getan, sondern ein mühsamer, sicher auch einsam machender Pfad der Autarkie musste beschritten werden. Dieser sehr spezielle Weg war auch im Anstaltsalltag grundsätzlich möglich (wenn auch weitgehend im Verborgenen) und seine geistigen Wurzeln reichten zurück in eine Zeit, in der der die Harmonie der Körpersäfte für die Gesundheit, auch die geistige, fundamental gewesen war: Die kathartische Selbstveredelung nach Forster konnte nur durch Rückführung der eigenen Ausscheidungen in den Körper erfolgen. So nahm er – zeitweise fast ausschließlich – Kot, Sperma und Urin zu sich und hielt den Nasenschleim mithilfe einer Binde zurück, wie sie auch der „Mann ohne Schwerkraft“ zeigt. Die Zirkulation des Schleims in einem „Schleimring“ musste ebenfalls aktiv beeinflusst und aufrecht erhalten werden. Wie in einem alchemischen Prozess mögen die genannten Substanzen auf ihren immer neuen Passagen durch den Körper höhere Reinheitsgrade erreicht haben, jedenfalls sollte die Praktik letztendlich zu einer glockenhellen Stimme und zum Verlust der Schwerkraft führen, äußeren Kennzeichen des erreichten Edelmenschentums.

Hatte Forsters existenzielles Projekt von Sublimierung durch Autarkie und Askese auch zu der Unterschiedlichkeit seiner Selbstportraits geführt, auf denen wohl kaum zufällig die Mund- und Nasenregion besonders betont erscheint? „So oft ich mich Portraittiere sehe ich anders aus manchmal wie ein unschuldiges Kind“, hielt er fest.

Sicherlich nicht alle Geheimnisse geben Forsters Bilder und Aufzeichnungen preis – so verweist die Zeichnung des Motors einer Wiedergeburtsmaschine auf eine religiöse Dimension, ohne Genaueres zu verraten. Und immer wieder wird der Anstaltskontext deutlich, in dem Forster wie die anderen Regensburger Patienten-Künstler verankert bleibt, wenn er sich auch gleichzeitig von dessen Horizont löst, ihn mit seinen großen, fast schwerelosen Luftschritten weit hinter sich lässt.

So ist es stimmig, wenn sich die BesucherInnen der Ausstellung gleichsam erden über einen Gang nach oben, die Besichtigung der Werke anderer Patienten-Künstler auf der Galerie. Besonderer Blickfang ist hier ein zwar phantastischer, aber doch auch realitätsbezogener Plan der Anstalt Regensburg von Franz Kleber aus dem spätern 19. Jahrhundert. Der Abschluss lenkt die Aufmerksamkeit nochmals auf die Patientenperspektive, in doppelter Hinsicht: Unter dem Blick der Portraits von Mitpatienten, die der versierte Maler und Regensburger Insasse Hermann Rehbach hinterließ, beendet man den Rundgang mit dem zweiten Kabinett.

„Wie man es erzählen kann, so ist es nicht gewesen“ – was Christa Wolf in „Nachdenken über Christa T.“ festhielt, gilt auch für Josef Forster, seine Geschichte und seine Botschaft. Doch die vielfältigen Perspektiven auf sein Werk, die Gegenüberstellungen und Kontextualisierungen im Sinne der Cultural Studies helfen zu verstehen, dass in Forsters Werken nicht einfach Wahnsinn waltet, sondern dass Höhenflüge und Menschheitsträume innerhalb und außerhalb von Anstaltsmauern die gleichen Wurzeln haben.

 

Inside the Battle to Define Mental Illness (Wired Magazine)

Wired magazine has an interesting piece written by Gary Greenberg (author of Manufacturing Depression: The Secret History of a Modern Disease) about the on-going debates within the psychiatric community over the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders-5. Greenberg focuses on the criticisms of and responses to Allen Francis and how the debate today relates to earlier controversies about the role of diagnosis in psychiatry.

Tribute to Robert L. Spitzer by Hannah S. Decker (December 17, 2010)

(On December 17, 2010, Robert L. Spitzer, M.D. retired from 49 years of service at the New York State Psychiatric Institute (Columbia University.) Spitzer is the psychiatrist who chaired the development of the American Psychiatric Association’s Diagnostic and Statistical Manual, 3rd edition, 1980 (DSM-III). A day of celebration was held at the Psychiatric Institute, at which I spoke. Hannah S. Decker)

I’m supposed to talk about the revolution created by DSM-III, but obviously to this audience, I do not have to discuss its innovations: advisory committees to the Task Force, field-testing drafts, multiaxial diagnostic system, diagnostic criteria, systematic description of all disorders listed, glossary of terms, to name a few.

Since I am a historian, what I will do instead is put Bob’s contribution to psychiatry in an historical perspective. To do so, I am going to talk about two time periods in the history of psychiatry when it seemed vital that something be done to check a state of chaos. In so doing, I am going to compare Bob’s contribution to psychiatry with that of the great German psychiatrist, Emil Kraepelin, because I regard them as having equal significance in terms of their ultimate impact. In each instance, they introduced a new categorization to rescue a flailing field and established a momentum that has never disappeared.

In the 1880s, German psychiatry–still a fairly new subspecialty of medicine–was in a state of crisis. Psychiatrists were confronted with a mass of symptoms and found it difficult if not impossible to distinguish between symptoms and illnesses; an individual symptom might be labeled an illness. Writing a new classification to remedy this impasse became a German national psychiatric pastime, but in each individual case the nosology basically stayed with its creator. Communication among psychiatrists was abysmal. Moreover, usually psychiatrists could not offer a prognosis to their patients or their families. Even though the state of organizational progress of this new specialty in the 19th century had been nothing short of miraculous, a sense of pessimism and gloom hung over psychiatry.

Kraepelin, a neophyte psychiatrist in 1883—just 27 years old—found himself short of funds and took the advice of a mentor, the famous experimental psychologist Wilhelm Wundt, to write a short compendium of psychiatry as a way to get some money. Kraepelin was amazed at the mess he saw and struggled to make some coherent sense of it. If I can crack a small joke: Kraepelin’s inter-rater reliability problem in 1883 was a lot worse than Bob’s in 1973. Kraepelin began to enlarge his compendium at regular intervals and eventually it turned into his famous four volume textbook. Somewhere in the middle of his updates, he put forth the idea that psychotic illnesses might be divided into two large categories—dementia praecox and manic-depressive illness–based on their typical course. He would have liked to develop a classification according to etiology but could not, although he speculated that mental disorders could arise from some faulty metabolism in the brain or from hereditary degeneracy.

After initial resistance, Kraepelin’s nosology was accepted by many, and he was able to found a research institute in Germany, with money from the Rockefellers no less, to investigate the causes of mental illness. Gradually, over the years the notion spread that perhaps progress might come from describing mental disorders precisely and gathering facts about them, just as Kraepelin had successfully done in his textbook. I wish I had the time to quote for you one of Kraepelin’s compelling descriptions so you can see the precision and power of his words.

However, the descriptive, phenomenological approach in the United States was retarded for a number of years by the dominance of psychoanalysis. Psychoanalysis, I might interject, just like Kraepelin’s classification, had been one answer to the state of stagnation and hopelessness of 19th century psychiatry. Still, even at the zenith of psychoanalytic dominance, the justly named neo-Kraepelinians in St. Louis in the 1950s and ‘60s—Eli Robins, Samuel Guze, and George Winokur–were not deterred from the research that was establishing a descriptive foundation. Yet the neo-Kraepelinians by themselves would not have been able to engineer a shift in American psychiatry. For that, DSM-III was needed. Moreover, the neo-Kraepelinians by 1970 were one small island surrounded by a chaotic ocean.

In 1970, American psychiatry, much like the psychiatry Kraepelin had faced in 1890, was in a state of crisis. Let me specify what I mean. In the civil rights and Vietnam War era, psychiatry looked like it had lost its bearings. Some psychiatrists were thinking that the only way to solve psychiatric problems was to fight them on a social level by attacking poverty, unemployment, slums, racial prejudice head on. Others bent their energies to battle against issues like school segregation and the war on psychiatric grounds. Tens of thousands of discharged state hospital patients flooded the streets because certain federally-mandated care had failed to materialize, and it was clear psychoanalysis could not address this problem. Many studies had shown there was very poor inter-rater reliability in delivering the same diagnosis for the same patient, and psychiatry was held in low esteem by various scientific and medical bodies. Even a presidential commission and a congressional panel expressed concerns about how mental illness was documented. Aetna limited mental health coverage. In the decade 1963-1972, the NIMH cut back on research grants.

In this climate, negative opinions about psychiatry were unleashed throughout various disciplines and social groups. Some of us forget just how widespread was the so-called anti-psychiatry movement of the 1960s and ‘70s. Of course, we cannot overlook the fact that by the 1950s state hospitals did warehouse hundreds of thousands who often received reprehensible care. But the anti-psychiatry movement went beyond calling attention to this and cut a wide and deep swath challenging the very legitimacy of psychiatry. Sociologists argued that mental disorder was merely in the eye of the beholder, that psychiatric diagnoses were just labels pasted on quirky or unpopular behavior, and that all inpatients had been illegitimately railroaded into custody. State legislators, always eager to spend less money on mental hospitals, readily adopted the arguments of the sociologists in order to justify their deinstitutionalization proceedings. Lawyers fought against involuntary hospitalization on the grounds of protecting civil liberties, and courts overruled psychiatrists’ expert advice. Thomas Szasz, a libertarian psychiatrist and psychoanalyst, inveighed against psychiatry as a “pseudo-medical enterprise,” and argued that psychotherapy—the dominant form of treatment in the 1960s—was solely a humanistic and philosophical endeavor. His provocative Myth of Mental Illness was later joined by the sensational Death of Psychiatry of E. Fuller Torrey. Torrey, while inveighing against psychoanalysis, asserted that schizophrenia, as a biological phenomenon, could be treated by medication which internists would prescribe, doing away with the need for psychiatrists. Further delegitimizing psychiatry, R.D. Laing, a Scottish psychoanalyst, came to preach that schizophrenia was not an illness at all, but a life-affirming journey that would lead the afflicted individual to greater heights. He became a guru to thousands of college students. In academia, the deconstructionists declared that there were no objective scientific truths. Truth was socially constructed, and knowledge varied according to the goals of its creator. The Scientologists, always ready to grab an opportunity, flew an airplane banner with the words “Psychiatry Kills” at the 1969 APA meeting. I cannot close this litany without mentioning the damaging impact of the 1973 Science article by David Rosenhan which put psychiatry on the defensive with its account of “pseudopatients” in psychiatric hospitals, or the much-mocked 1974 APA membership voting to remove the diagnosis of homosexuality from DSM-II.

Under the circumstances I have just outlined, the APA Board of Trustees and Bob, independently, came to hope that DSM-III could be used to counter the notion that psychiatry was not a medical discipline and lacked scientific credibility. But it was not mainly DSM-III that repelled the anti-psychiatry movement. Rather the anti-Establishment mood of the country was combated more by the end to the Vietnam War and the coming of the Reagan era presidency.

The broad separation of schizophrenia from manic-depressive illness and DSM-III, while great steps forward, did not solve all of psychiatry’s problems and even created new challenges. But this was a good thing because it began a profession-wide debate on the role and goals of psychiatry which continues up to the present. As the makers of DSM-5 wrestle with the revision of the manual, they are always testing their conceptions against those of DSM-III.

In history, revolutions are made when a state of crisis and an unusually talented leader come together to effect change. A good example of this occurred in the 16th century, when a crisis in the Roman Catholic Church was taken in hand by an ardently devoted and charismatic monk and theologian, Martin Luther. The Protestant Revolution resulted. Such revolutions happened in psychiatry in the cases of the historic division of psychosis and in the creation of DSM-III, and we can see that these creations have their authors’ unique stamp. Last summer I spent eleven days in the APA Archives, and I saw endless demonstration of Bob’s enormous energy, creativity, and the extraordinary ability to solve problems and not be derailed by opposition.

I’d like to close with an observation: Before DSM-III the DSMs only mattered to a very select audience, now the DSMs matter a lot to many. Because the DSM is powerful enough to shape our culture and society, American psychiatry now has the great burden of dealing with the wide influence it wields outside strictly medical confines. This circumstance began in 1980 with the creation of DSM-III under Bob Spitzer.

Hannah S. Decker

Professor of History

University of Houston

New issue – History of the Human Sciences

A new issue of History of the Human Sciences is available online:
1 December 2010; Vol. 23, No. 5 

 


Articles

Durkheim, Jamesian pragmatism and the normativity of truth
Warren Schmaus
History of the Human Sciences 2010;23 1-16
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/1
Sexual science and self-narrative: epistemology and narrative technologies of the self between Krafft-Ebing and Freud
Paolo Savoia
History of the Human Sciences 2010;23 17-41
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/17
Liberating sex, knowing desire: scientia sexualis and epistemic turning points in the history of sexuality
Howard H. Chiang
History of the Human Sciences 2010;23 42-69
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/42
The case of the disappearing dilemma: Herbert Blumer on sociological method
Martyn Hammersley
History of the Human Sciences 2010;23 70-90
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/70
On the relationships between social theory and natural law: lessons from Karl Löwith and Leo Strauss
Daniel Chernilo
History of the Human Sciences 2010;23 91-112
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/91
Foucault’s and Arendt’s ‘insider view’ of biopolitics: a critique of Agamben
Claire Blencowe
History of the Human Sciences 2010;23 113-130
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/113
‘This war for men’s minds’: the birth of a human science in Cold War America
Janet Martin-Nielsen
History of the Human Sciences 2010;23 131-155
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/131
From Milgram to Zimbardo: the double birth of postwar psychology/psychologization
Jan De Vos
History of the Human Sciences 2010;23 156-175
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/156
Schizophrenia, reification and deadened life
Alastair Morgan
History of the Human Sciences 2010;23 176-193
http://hhs.sagepub.com/cgi/content/abstract/23/5/176
Review Symposium: The Fremdling of Teleology, or: On Roger Smith’s Being Human: Roger Smith, Being Human: Historical Knowledge and the Creation of Human Nature. Manchester and New York: Manchester University Press, 2007. viii + 288 pp. ISBN 978-0-7190-7498-1
Angus Nicholls
History of the Human Sciences 2010;23 194-201
http://hhs.sagepub.com/cgi/reprint/23/5/194
Humanity without Vico: Roger Smith, Being Human: Historical Knowledge and the Creation of Human Nature. Manchester and New York: Manchester University Press, 2007. viii + 288 pp. ISBN 978-0-7190-7498-1
Steve Fuller
History of the Human Sciences 2010;23 202-206
http://hhs.sagepub.com/cgi/reprint/23/5/202

This Table of Contents is available online at: http://hhs.sagepub.com/content/vol23/issue5/?etoc

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