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Book review – Spannungsherde. Psychochirurgie nach dem zweiten Weltkrieg

Screenshot from 2016-05-31 13-41-34Von Viola Balz

Ende August 1946 reiste Manfred Bleuler, Leiter der Züricher Universitätspsychiatrie Burghölzli nach Skandinavien und ließ sich dort eine größere Zahl von leukotomisierten Fällen zeigen. Von seinem klinischen Eindruck der dort operierten Patient_innen überzeugt beschloss er schließlich, die Eingriffe auch in der Schweiz durchzuführen. Marietta Meier macht die Debatte um die Psychochirurgie in der Schweiz zum Ausgangspunkt ihrer Monographie, ergänzt diese aber auch durch Diskurse aus dem europäischen Ausland. Damit legt sie erstmals eine Untersuchung der Psychochirurgie im deutschsprachigen Kontext vor. Während sich zwei bekannte US-amerikanische Studien aus den 1990er Jahren vor allem der Frage nach der Entwicklung therapeutischer Verfahren in der Psychiatrie von den frühen Versuchen bis zur verifizierten Therapie und der Frage nach der Co-Konstruktion der Effektivität der Leukotomie durch Arzt und Patient in der klinischen Praxis widmen,   fragt Meier nach der Metapher des „affektiven Stachels“, also der Frage, wo der Stachel der affektiven Spannung steckt: Was empfand man in der Nachkriegszeit als Stachel, was sollte durch einen psychochirurgischen Eingriff entfernt werden? Marietta Meier versucht dieser Frage mit Foucaults Konzept der Problematisierung nachzugehen. Diesem Konzept folgend analysiert die Autorin, wie und warum bestimmte Phänomene zu einem Problem wurden. Dabei untersucht sie vor allem drei Ebenen: Zuerst fragt sie, auf welche Umstände die Leukotomie eine Antwort geben sollte, darüber hinaus möchte sie wissen in welchem Wechselverhältnis Kontinuitäten und Wandel, Ordnung und Veränderung hier miteinander stehen ohne diese zugleich als chronologische Abfolge begreifen zu müssen und schließlich möchte sie anhand von Quellen aus unterschiedlichen Kontexten wie Publikationen und Krankenakten herausarbeiten, welche unterschiedlichen Facetten debattiert und welches Verhalten je nach Kontext zum Problem wurde. Die Autorin versteht ihren Ansatz dabei als kulturhistorischen, der danach fragt, wie die Akteure ihrem Handeln Sinn verleihen (S. 17-19). Meier gliedert ihre Untersuchung dabei in neun Kapitel. Im ersten Kapitel schildert sie die Einführung des Verfahrens in der Schweiz und die ersten Behandlungsfälle und kontextualisiert diese insbesondere mit den somatischen Verfahren. Das zweite Kapitel widmet sich der Frage, wie die Psychiater_innen sich die Wirkung des Verfahrens erklärten. Dabei arbeitet Meier heraus, dass die Psychochirurgie sich erst dann weiter durchsetzen konnte, als eine wissenschaftliche überzeugende Begründung vorgelegt werden konnte. Argumentierte der „Entdecker“ der Psychochirurgie, der Portugiese Antonio Egas Moniz noch damit, mit dem Eingriff fixierte Nervenbahnen zu durchtrennen und verortete die Technik deshalb in einer vielen Psychiater_innen als veraltet geltenden Lokalisationslehre, gelang es den amerikanischen Psychiater_innen Freemann und Watts schließlich ein Erklärungsmodell vorzulegen, das auf die Verbindung von Thalamus und Frontallappen als Regulationsinstanz für die Intensität von Gefühlen rekurrierte und auf die Unterbrechung der affektiven Spannung durch die deren Durchtrennung hinwies. Diese Verbindung des Verfahrens mit der Beeinflussung von Emotionen sorgte nach Meier dafür, dass sich die affektive Spannung als boundary concept zwischen Hirnforschung, klinischer Forschung und psychiatrischer Praxis durchsetzen konnte. Im dritten Kapitel beschreibt Meier die Verbreitung der Leukotomie in Europa und insbesondere in der Schweiz als Folge der aktuellen Probleme der Nachkriegspsychiatrie, die wiederholt für eine Überfüllung der Anstalt sorgte und deshalb die affektiven Spannungen der Patient_innen verstärkte und in einem neuen Licht erscheinen ließ. Anschließend diskutiert sie im vierten Kapitel die wissenschaftliche Debatte zur Psychochirurgie. Dabei wurde v.a. über den Preis der Eingriffe ins Gehirn, die schon damals als letzter Behandlungsschritt galten und selbst von den Befürworter_innen nur mit ca. 1/3 angegeben wurden diskutiert. War ein sozialer Erfolg schon dann erreicht, wenn die Patient_innen weniger störten? Wie bewertete man die damit einhergehende irreversible Persönlichkeitsveränderung? Nicht zuletzt über letzte Fragen diskutierten Psychiater, Philosophen und Theologen kontrovers. Wie und nach welchen Kriterien Patienten der unruhigen Station zum Fall wurden ist Teil des fünften Kapitels. Insbesondere rückt hier ins Zentrum der Analyse, wann die affektiven Spannungen als so schwerwiegend angesehen wurden, dass sie eine Leukotomie rechtfertigten. Meier fragt hier nach der Semantik der Problematisierungen und arbeitet anhand ihres Quellenkorpus von 300 Krankenakten Schlüsselbegriffe heraus und kontextualisiert sie im zeitlichen Verlauf der Einträge um zu zeigen, wie ein kohärentes Bild eines Patienten entstand, der zum Fall für eine Leukotomie werden konnte. Wie dargestellt wird, waren die Erregungszustände der Patient_innen das maßgebliche Argument für einen operativen Eingriff, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status und der Diagnose, denn oft wurden die Patienten vor allem aus der pflegerischen Indikation heraus operiert. Im sechsten Kapitel zum zirkulierendem Wissen widmet sich Meier der Frage, wie die Psychiater_innen den Laien – Angehörigen und der interessierten Öffentlichkeit –den Eingriff zu plausibilisieren versuchten. Gegenüber den genannten Gruppen wurde statt Spannung eher der Begriff der Erregung gebraucht. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Autorin schließlich der Frage, warum im Wesentlichen Frauen für einen operativen Eingriff ausgewählt wurden. Sie erklärt diese Entscheidung mit dem Doppelstandard seelischer Gesundheit, der störendes Verhalten von Frauen eine besondere Bedeutung zumaß. Auch kann Meier aufzeigen, dass auf der Mikroebene das störende Verhalten auf den Frauenstationen die Anstaltsordnung erheblicher störte und eine Leukotomie auch der Wiederherstellung dieser Ordnung und der pflegerischen Vereinfachung diente. Das vorletzte Kapitel widmet sich der Produktion wissenschaftlicher Erkenntnisse. Hier gelingt es der Autorin ausgesprochen überzeugend, den Prozess der klinischen Wissensbildung von der Reduktion der differenzierten Schilderung in der Akte in eine kasuistische Berichtsform (Erzählen), der Bildung neuer quantifizierbarer Kategorien aus diesen Kasuistiken (Zählen) und den Versuchen, die Effekte zu verobjektivieren (Lehren) zu verdeutlichen. Im letzten Kapitel beschreibt die Autorin schließlich den langsamen Niedergang der Psychochirurgie im Kontext neuer Behandlungsverfahren. Anders als in klassischen Fortschrittsnarrativen ausgeführt wird, beurteilt sie die Einführung neuer medikamentöser Verfahren in der Psychiatrie in den 1950er Jahren nicht als ursächlich für den Rückgang der Operationen. Viel entscheidender für eine abnehmende Zahl sei ein neuer Denkstil gewesen, der psychotherapeutischen Verfahren eine neue Bedeutung beimaß. Die Autorin schließt ihre Arbeit schließlich mit vier Thesen zur Nachkriegsgesellschaft. Erstens sei die Psychochirurgie als Symptom für die Debatten der Zeit um Technisierung und Entseelung der bewerten. Der Siegeszug der Leukotomie sei nur möglich gewesen, da erstens nach dem zweiten Weltkrieg ein hierarchisches Persönlichkeitskonzept dominierte, dass auf einem vagen, holistischen Persönlichkeitskonzept beruhte. Die Subjektvorstellungen der Zeit habe zudem zweitens die soziale Anpassung höher bewertet als die Individualität des Patienten. Der Kontext des zweiten Weltkrieges habe drittens das Ziel, Krankheiten zu heilen zu der Norm verschoben, Patienten wieder zu funktionierenden Staatsbürgern zu machen. Wie Meier schließt, sei aber viertens von einem diskontinuierlichen Wandel auszugehen, in dem auch kritische Stimmen sich seit den 1960er Jahren wieder Gehör verschaffen konnten.

Meier legt mit dieser Studie eine sehr gut geschriebene, souverän durchgeführte und wissenschaftshistorisch auf dem neusten Stand argumentierende Studie vor. Insbesondere das Konzept der affektiven Spannungen wird als Konzept konsequent umgesetzt. Die Studie sei also jedem, der sich für die Nachkriegspsychiatrie interessiert unbedingt zur Lektüre empfohlen.

Ein Kritikpunkt sei hier dennoch erwähnt: Meier räumt zwar verschiedenen Protagonist_innen in der Diskussion um die Lobotomie (Ärzten, Pflegepersonal, Angehörigen und Laien) einen größeren Raum ein, die Patient_innen selber bleiben aber seltsam stumm bzw. die Patientengeschichten werden eher aus einem ärztlichen Blick geschildert. Lediglich anhand zweier Beispiele versucht Meier einen Einblick in die Selbsterzählungen der Patient_innen zu geben. Dies ist umso erstaunlicher, da die Autorin angibt, dass solche Selbstzeugnisse in ca. 20% der Akten, also ca. 50, vorhanden waren. Das Argument, dass diese Stimmen von den Ärzten zwar gesammelt wurden, für die Entscheidung über die Erfolge einer Lobotomie aber nicht maßgeblich waren und kein Gehör fanden ist zwar vermutlich richtig, überzeugt aber als Argument gegen eine Analyse dieser Dokumente nicht. Diese Begründung verdoppelt die historische Sichtweise der Ärzte und das geschilderte asymmetrische Machtverhältnis eher, statt die Vielstimmigkeit und die unterschiedlichen Sichtweisen transparent zu machen. In gewisser Weise hat die Autorin den Patient_innen damit auch den affektiven Stachel genommen.

Marietta Meier: Spannungsherde. Psychochirurgie nach dem zweiten Weltkrieg. Göttingen: Wallstein 2015

 

Announcement of New Book: Work, Psychiatry, and Society 1750-2010 (ed. W. Ernst)

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The editors at h-madness have received the following notification of a new book due out in a few months:

This book offers the first systematic critical appraisal of the uses of work and work therapy in psychiatric institutions across the globe, from the late eighteenth to the end of the twentieth century. Contributors explore the daily routine in psychiatric institutions and ask whether work was therapy, part of a regime of punishment or a means of exploiting free labour. By focusing on mental patients’ day-to-day life in closed institutions, the authors fill a gap in the history of psychiatric regimes. The geographical scope is wide, ranging from Northern America to Japan, India and Western as well as Eastern Europe, and the authors engage with broad historical questions, such as the impact of colonialism and communism and the effect of the World Wars. The book presents an alternative history of the emergence of occupational therapy and will be of interest not only to academics in the fields of history and sociology but also to health professionals.

(hb 978-0-7190-9769-0 £75.00 January 2016 234x156mm 440pp 20 illustrations, black and white)

Book review – David Frank Allen, Critique de la raison psychiatrique

screenshot-from-2015-03-09-150753L’auteur, maitre de conférences en psychopathologie à l’université de Rennes et psychanalyste, présente ici la réédition d’un texte paru en 1999 dont la démarche historienne est intéressante à plus d’un titre. L’ouvrage est composé comme son sous titre l’indique d’ « éléments » historiques – brève chronologie, courts essais, focus bibliographiques – qui amèneront le lecteur non prévenu contre cette démarche qui peut paraître pointilliste à partager l’objectif salutaire de l’auteur : contribuer à désacraliser le savoir psychiatrique en historisant les catégories qui en fondent l’existence. Plus d’un siècle après son admission dans la classification scientifique, la schizophrénie, c’est-à-dire la démence précoce apparue dans la classification allemande à la toute fin du XIXe siècle, rebaptisée et élargie par Eugen Bleuler quelques années avant la Première guerre mondiale, est évidemment un des objets adéquats pour mener à bien cette mission. A juste titre, David Frank Allen, s’appuie sur la faible stabilité théorique des hypothèses étiologiques la concernant. L’histoire de la schizophrénie apparaît bien comme un « cercle de propositions logiquement contradictoires qui brule sans cesse »(25), caractéristique qui incite l’auteur à faire sienne une maxime debordienne : dans le savoir psychiatrique – ou plutôt le non savoir – le vrai n’est qu’un moment du faux. Continue reading

Book Review – Anne Roekens (dir.), Des murs et des femmes. Cent ans de psychiatrie et d’espoir au Beau-Vallon (Presses Universitaires de Namur 2014)

FMProBy Valérie Leclercq

The psychiatric institution le Beau-Vallon was founded at the eve of the first World War by the catholic order of les Soeurs de la Charité de Jésus et de Marie. Located on one of the hills surrounding the Belgian city of Namur and dedicated to the exclusive care of women, Beau-Vallon was designed as the first pavilion asylum of Wallonia and rapidly developed into an imposing near-autonomous structure isolated from what was seen at the time as the poisonous influence of the city. On the day of its official inauguration in 1924, it was already comprised of eleven pavilions housing a total of 740 patients.
Today, the institution celebrates a century of existence with the release of a book entitled Des murs et des femmes: Cent ans de psychiatrie et d’espoir au Beau-Vallon. Edited by Anne Roekens, a professor of contemporary history at the University of Namur and also the (co-)author of five out of the book’s seven chapters, Des murs et des femmes showcases the penmanship of seven additional contributors, among whom three psychiatrists (Xavier de Longueville, Benoît Delatte and Jean-Paul Rousseaux, responsible for the seventh chapter), three young historians graduated from the Catholic University of Louvain (Nathalie Collignon, Lisa Lacroix and Mélanie De Brouwer) as well as historian Benoît Majerus who has published extensively on the history of psychiatry in Europe these last few years. The book also incorporated elements from the work of students from the UNamur history department who in 2012 and 2013 were given the opportunity to delve into the records of the institution.
Thematically structured, Des murs et des femmes explores different aspects of the history of the institution, from the context of its foundation to its present state, from its evolving spatial infrastructures and treatment procedures, to the specificities of its personnel and patient population. The book does a great job at revealing the slow processes behind some of the important changes that radically affected 20th-century psychiatry, such as the apparition of psychopharmacology, the professionalization and secularization of the medical personnel, deinstitutionalization, etc. Surprisingly, the history of Beau-Vallon (which would have been considered a second-class country asylum – ou “asile de province” – by the medical authorities of the capital) parallels that of western psychiatry more closely that one might think. In one instance it even seems to have anticipated change when the institution opened several residential facilities outside the hospital a decade before the launch of the 1991national plan to encourage the development of ‘MSP’ (Psychiatric Care Houses) and ‘IHP’ (Protected Homes Initiatives). This last fact the authors are of course eager to point out. But Des murs et des femmes is far from being the simple celebratory narrative that one might expect. Although never overtly critical of this particular institution, the authors do not shy away from sensible topics such as forced confinement, physical coercion, unresponsive physicians, suicide or social segregation inside the asylum, etc. The tone of the book is globally that adopted by most medical historians today who cautiously navigate between the radical anti-institutional acidity of the 60s/70s and the blind optimism of Whiggish medical-historical writing. This middle way is apparent when the authors expose the mutability of the totalitarian psychiatric space, recontextualize the use of mental therapeutics or brush aside the rigid physician-patient antagonism to highlight what Benoit Majerus in his book Parmi les fous (2013) already deemed the central relationship of the everyday institutional psychiatric experience: that of nurses and patients.
Des murs et des femmes, however, will probably prove a frustrating read for historians of psychiatry due to a somehow limited depth of analysis. It propounds no really innovative thesis. The book might be in this regard illustrative of a certain Belgian francophone approach to history: close to its rich source material but lacking in theoretical background and perspective. The two first chapters (Le temps des fondations & Espaces psychiatriques, espaces religieux) appear the strongest and tightest while the four following chapters, dealing respectively with the two world wars, the patient population, treatment and the asylum personnel, seem a bit more factual and loosely problematized. The last chapter, which is concerned with deinstitutionalization and was penned by the three medical authors, confidently recounts the progressive opening of Beau-Vallon and the evolving Belgian legal context in many interesting and necessary details but without never really questioning the process of deinstitutionalization itself. To be fair, the very nature of the project must have imposed some limitations to the contributors’ creativity. When medical historians decide to work on the records of a single medical institution, it is usually to study some or other aspects of medicine or psychiatry, and they are then usually free to narrow their focus as they think best for the relevance of their subject. In The Psychiatric Persuasion, for instance, Elizabeth Lunbeck used the records of the Boston Psychopathic Hospital to write about the psychiatrization of everyday life, just as a few years earlier Nancy Tomes in The Art of Asylum-Keeping dug through the archives of The Pennsylvania Hospital for the Insane only to reflect about the social significance of mid-19th century asylums [1]. But Des murs et des femmes is ultimately the history of the Beau-Vallon asylum itself, an object uneasily unified around a cardinal analytical argument. The study, as a result, covers the major aspects of the institution’s evolution in a thematic overview that still seems to have a lot of unexplored potential.
It is great, however, to see a medical institution collaborate with historians and work such as this being commissioned. And despite its limitations, Des murs et des femmes seems to achieve its purpose successfully. It is a carefully researched and well written effort that is also accessible for the layperson. This accessibility would seem essential for a centennial anniversary publication. The source material used by the different authors is incredibly rich and varied; it includes congregational and hospital archives, legislative texts, medical literature, private archives, oral history (most interviews have been conducted by Anne Roekens), photographs, etc. Moreover, long excerpts from archival documents are showcased in dark grey sidebars, giving the reader direct access to the words of various actors from the period – whether it be catholic nurses or nursing students, psychologists, a priest or a judge. This makes for an engaging read that will similarly please the general, medical and historian public. It is also worth noting that the history of sciences and medicine in Belgium is still in its infancy. In this regard, any contribution to this field is highly valuable, especially when it points out, as is the case here, the specificities of the Belgian situation (for instance the predominantly religious and hospital-centered character of 20th century Belgian psychiatry), possible archive material and new territories to explore while contributing to building the picture of a larger national historical context that no reference work has yet come to illuminate.
1. Elizabeth Lunbeck, The Psychiatric Persuasion : Knowledge, Gender, and Power in Modern America, Princeton: Princeton University Press, 1994; Nancy Tomes, The Art of Asylum Keeping: Thomas Story Kirkbride and the Origins of American Psychiatry, Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 1994 (origin. ed. 1984)

 

Valerie Leclercq is a FNRS doctoral Research Fellow at the Free University of Brussels. Her areas of interest include 19th and 20th-century medicine, the history of patients, psychiatry and medical ethics. She is currently writing her dissertation on the therapeutic encounter at the turn of the 20th century.

Grands reportages : “Dans les corridors de l’Institut Philippe-Pinel” (RDI, Québec, 5 septembre 2013)

La chaîne de télévision québécoise RDI diffusera ce soir, jeudi 5 septembre, un documentaire sur l’institut psychiatrique Philippe-Pinel dans le cadre de l’émission Grands reportages. Le documentaire, en lice pour le Prix du public Télé-Québec lors de sa projection aux Rendez-vous du cinéma québécois l’hiver dernier, présente des malades internés ayant commis des crimes dangereux, mais aussi des psychiatres et intervenants de ce milieu encore méconnu.

Pour plus d’informations, voir deux articles récents publiés dans le journal Le Devoir et sur le site de Radio-Canada (ce dernier contenant une entrevue radiophonique avec la réalisatrice,  Hélène Magny).

Dean Brooks (1916-2013)

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The New York Times recently posted an obituary for Dean Brooks, the former superintendent of the Oregon psychiatric hospital where the film One Flew Over the Cuckoo’s Nest was filmed.  Brooks served as head of the Oregon State Hospital from 1955 to 1981.

Camille Claudel, 1915

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Le dernier film du réalisateur français Bruno Dumont retrace trois journées de la vie de Camille Claudel (Juliette Binoche) à l’asile de Montdevergues près d’Avignon, peu après son transfert depuis l’asile de Ville-Evrard en 1915 et dans l’attente d’une visite de son frère, l’écrivain Paul Claudel (Jean-Luc Vincent). Ce sont trois journées vides – « elle s’ennuie beaucoup » dit à son frère le médecin directeur de l’établissement – que ne parviennent à remplir ni les promenades ni les repas, ni la prière ni les entretiens médicaux, ni le désespoir ni la foi. Le film saisit Camille Claudel, dans le jardin, sa chambre, dans le cloître ou la chapelle de l’établissement, s’abandonner à son sort sans jamais s’attacher à ce ou ceux qui l’entourent, si ce n’est, furtivement, à une aide dont un encouragement la décide à lui confier son courrier.

La caméra de Dumont ne quitte Camille que pour suivre les dernières étapes du voyage de son frère Paul jusqu’à Montdevergues. Le film prend dès lors une dimension nouvelle alors que le cinéaste, de façon très démonstrative, fait faire au frère les mêmes stations que sa sœur a déjà parcourues dans la première partie du film. Aux prières de Camille dans la chapelle de l’établissement, répond l’arrêt que fait maintenant Paul dans un monastère de Tarascon. Au long récit que Camille a livré au médecin directeur de Montdevergues de son désespoir de s’être vue internée contre son gré par sa famille renvoie celui que fait son frère à un prêtre de sa conversion au catholicisme. À Camille écrivant une lettre désespérée à une amie fait écho la confession tourmentée que Paul couche dans son journal. Au délire de persécution de Camille répond finalement la foi de Paul en un dieu tout puissant et présent dans tout le vivant. Le frère et la sœur apparaissent ainsi comme deux figures du génie aux prises avec la transcendance de la création, deux visions de la radicale altérité morale du créateur. On comprend à ce moment-là le vrai enjeu du film et la raison pour laquelle Dumont l’a situé en ce moment précis de l’histoire de son héroïne : cette ligne fine entre création, folie et foi qui sépare pourtant irrémédiablement les deux Claudel ; ce retour sur soi encore possible à ce moment tournant de l’entrée dans le monde nouveau de l’asile qui permet à l’un et l’autre d’exprimer avec une lucidité sans égale leurs tourments.

On pourrait sans doute commenter longuement ces figures, ce qu’elles traduisent de la vision de Dumont de l’artiste aux prises avec son destin et ce qu’elles ajoutent à l’une des filmographies les plus ambitieuses, esthétiquement et philosophiquement, du cinéma français contemporain. L’historien est nécessairement aussi intéressé par la représentation que le cinéaste propose de la maladie mentale et de la psychiatrie. Et à cet égard le film véhicule un sentiment étrange d’irréelle réalité. Dumont a filmé dans des murs qui à défaut d’être ceux de Montdevergues en ont suffisamment l’apparence pour que l’on s’y sente réellement et l’on perçoit à chaque instant l’effort de documentation mobilisé pour reproduire fidèlement l’ordonnancement des lieux. Il a mis dans la bouche de ses deux principaux personnages les mots mêmes qu’ils ont écrits dans leur poésie, leurs confessions ou leur correspondance. Et il a eu recours à des acteurs non professionnels, en l’occurrence des pensionnaires d’une maison d’accueil spécialisée voisine, pour figurer les pensionnaires de l’asile, radicalisant en cela une démarche employée dans ses films précédents qui faisaient déjà la part belle à des acteurs non professionnels. Il filme ces derniers de près, en très gros plan, sans voyeurisme mais sans concession non plus, nus et bavant, édentés et grimaçant, et ce qu’il donne à voir par là de la maladie et du handicap est peut-être une raison suffisante d’aller voir ce film.

Mais outre qu’il n’y a aucune raison de penser que les malades d’hier ressemblent aux personnes souffrant d’un handicap psychique d’aujourd’hui, ce réalisme quasi documentaire dans la représentation des personnes est contrebalancé par un étrange sentiment d’irréalité suscité par celle de l’institution. L’asile de Dumont est une hétérotopie radicale, hors du temps et hors du monde, perdue dans une garrigue magnifique mais déserte, enfermée dans l’atemporalité d’une architecture pluricentenaire. Hormis Camille Cludel, pensionnaires et soignantes présentent un masque que rien ne vient atteindre ni perturber, même lorsque la caméra saisit l’une d’entre elle entravée par une lourde ceinture de cuire. L’ensemble baigne dans une atmosphère d’apesanteur ouatée, de régularité tranquille que ne parviennent pas à briser les pleurs ou les colères de la sculptrice. On en vient à être finalement étonné que celle-ci se plaigne à son frère du bruit et des cris qu’elle doit supporter continuellement – dimension trop réelle des hôpitaux psychiatriques jusqu’au milieu du XXe siècle au moins – alors que l’ensemble du film baigne dans un silence d’une densité proprement religieuse. L’asile de Dumont est esquirolien en diable et l’on a rarement vu à l’écran institution psychiatrique aussi bien porter « ce doux nom d’asile ».

Ce sentiment d’étrangeté est peut-être encore renforcé par la représentation que Juliette Binoche donne de la sculptrice. À la voir à l’écran on ne peut en effet s’empêcher de se demander ce qu’elle fait là. Le film repose indéniablement sur une performance d’actrice et il fallait le talent de Binoche pour être Claudel dans cet asile, pour jouer ainsi avec la folie de Claudel et celle de ses partenaires de jeu. Mais Claudel-Binoche n’est très visiblement pas là à sa place. Elle apparaît littéralement en suspension dans ce milieu, jamais dans l’échange et moins encore dans l’identification, trop différente de ses compagnes d’infortune, trop à distance des soignantes, et en même temps pas assez résistante contre ce qui lui arrive. Elle n’appartient pas à la communauté asilaire, trop volubile et trop expressive là où ses compagnes d’infortune sont enfoncées dans un indépassable mutisme. Non que l’on soit poussé ainsi à douter de la légitimité de l’internement de Camille Claudel : Dumont se tient, on a envie de dire, ostensiblement à distance de tout jugement sur ce qu’il donne à voir. Dans le scandale vécu si intensément par Camille Claudel, c’est finalement moins ce qui pourrait être en effet scandaleux qui intéresse le réalisateur que ce que cela permet à l’artiste d’exprimer : le corps soignant est si manifestement dénué de la moindre intention qui pourrait lui être propre qu’il en vient à s’effacer totalement du drame vécu par Camille Claudel ; la froideur terrifiante de Paul Claudel, lorsqu’il finit par être mis face à sa sœur, apparaît en dernière analyse moins comme le reflet de son insensibilité à l’égard de celle-ci que de son intransigeance pour lui-même. C’est plutôt la singularité du délire de Claudel que Dumont cherche à capter.

Sans doute fallait-il pour y parvenir faire voir en quoi la sculptrice ne se fondait pas complètement dans la communauté asilaire et peut-être la destinée du génie déchu aurait-elle été rendue littéralement invisible si elle avait été saisie dans la banalité de sa condition d’internée. Mais cette vision romantique de l’artiste tourmentée contraste singulièrement avec ce qui fait l’âpre beauté du film, et l’on en vient à se demander finalement si Dumont n’aurait pas eu d’autres moyens pour soulever ces mêmes questions.

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