Colloquium: Forensic Psychiatry in Cold-War Berlin, 1960–1980

Forensic Psychiatry in Cold-War Berlin, 1960–1980
Forensische Psychiatrie im geteilten Berlin, 1960–1980

12 February 2018 | 14:00 – 18:00 h
Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin
Thielallee 71 | 14195 Berlin-Dahlem | Germany

Download: Programme Flyer (PDF)

Nach dem Mauerfall wurde offenbar, dass man für die medizinisch-psychologische Begutachtung von Rechtsbrechern in Ost wie West die gleiche institutionelle Lösung gefunden hatte: Quasi im Gleichschritt waren in beiden deutschen Staaten zunächst Arbeitsschwerpunkte für forensische Psychiatrie, dann Abteilungen (1956 Westberlin, 1961 Ostberlin) und schließlich eigenständige Institute (1970 Westberlin, 1974 Ostberlin) entstanden. Das hing auch mit den Strafrechtsreformen zusammen, die beiderseits der Mauer vorangetrieben worden waren: Im Juli 1968 trat das Strafgesetzbuch in Kraft, mit dem sich die DDR eine sozialistische Rechtsordnung gab. Knapp ein Jahr später veröffentlichte das Bundesgesetzblatt das Erste Gesetz zur Reform des bundesrepublikanischen Strafrechts, mit dem man eine bis in die Gründungstage des Deutschen Reichs zurückreichende Debatte um die Grenzen der Schuldfähigkeit befrieden wollte. In beiden deutschen Staaten hatte sich somit zwischen Gerichts- und Sektionssaal, Gefängnis und Klinik ein eigenständiger Wissens- und Tätigkeitsbereich herausgebildet. Im Historischen Psychiatrie-Archiv der Charité lagern ca. 13.000 forensisch-psychiatrische Einzelfallakten aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die je zur Hälfte aus den Ost- und Westberliner Institutionen an der Charité bzw. der Freien Universität stammen. Die Veranstaltung stellt ein Forschungsprojekt vor, das ausgehend von diesem Quellenbestand die Praxis der forensisch-psychiatrischen Begutachtung im geteilten Berlin im Spannungsfeld von Institutionen, Disziplinen und Politik rekonstruiert. Dabei treffen wissenschaftshistorische und zeitgeschichtliche Fragestellungen auf die Erfahrungen zweier forensischer Psychiater, die in historischer Rückschau die Perspektive der praktischen Sachverständigenarbeit vertreten.

Programm

14.00 – 15.10
Volker Hess: Medizin zwischen Kadi, Knast und Klinik. Die Institutionalisierung der Forensischen Psychiatrie in Berlin nach 1945
Anna Richert: Psychopathie und abnorme Persönlichkeit: Ergebnisse einer ersten Stichprobe aus dem Historischen Psychiatrie-Archiv, 1950 bis 1970

15.10 – 15.30 Kaffeepause

15.30 – 16.40
Matthias Lammel: Forensische Psychiatrie in Ost und West zwischen 1986 und 1995 – ein Erfahrungsbericht
Hans-Ludwig Kröber: Etappen der forensischen Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis heute – ein Gliederungsversuch

16.40 – 17.00 Kaffeepause

17.00 – 17.35
Alexa Geisthövel: Jenseits von Wertewandel und Wissensgesellschaft Versuch einer zeitgeschichtlichen Einordnung

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